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26. August 2006
Einkleidung
von
Kandidatin Gerlinde Pecksteiner
aus Yspertal im Rahmen einer feierlichen Vesper

Liebe Eltern und Geschwister!
Liebe Freunde und Bekannte!
Liebe Mitschwestern!
Liebe Gerlinde!

Heute haben wir mit unseren Jubilarinnen Gott gepriesen und gedankt. Jetzt dürfen wir mit Freude und Dankbarkeit dich -  liebe Gerlinde - in das Noviziat aufnehmen. Nach drei Jahren Kandidatur, in der du unsere Ordensgemeinschaft und wir dich näher kennen gelernt haben, bittest du um die Aufnahme in das Noviziat.
Einige Gedanken aus der Predigt von Bischof Dr. Manfred Scheuer von Innsbruck anlässlich der Weihe eines Priesters im Innsbrucker Dom, haben mich sehr bewegt. Ich zitiere: "Wie viele Priester werden in diesem Jahr geweiht? in den letzten Tagen sind häufig Zahlen und Statistiken durch die Medien gegangen. von einem historischen Tiefstand von nur 25 Priesterweihen in Österreich war die Rede. Und dann die entlastende Meldung: es werden doch 31 geweiht, also ist es nicht ganz so schlimm. Auch bei Priesterweihen gibt es Ska-len oder Rankings. Die Quoten entscheiden über Qualität oder Versagen. Im Anfang war die Zahl? Was wichtig ist, wird erschlossen über Kennziffern, nicht über die Sprache, auch nicht über Bilder, schon gar nicht über Fragen des Glaubens. Die Übersetzung von Wirklichkeit in Zahlen macht es unwahrscheinlich, dass alle Dimensionen von Wirklichkeit gleichermaßen kommuniziert werden. Logik und Mathematik können Totes festhalten, nicht aber Lebendiges verstehen.“

Den nun folgenden Teil aus der Predigt Bischof Scheuers stimme ich auf unsere Gerlinde ab:
„Wie viele werden bei euch eingekleidet? Nur eine! Bei Zah-len geht das Wörtchen „nur“ leicht über die Zunge. Was aber ist es, wenn die Zahlen einen Namen haben? Können wir auch leicht sagen: „Nur Gerlinde?“ Nein! Es würde der heuti-gen Feier in keine Weise angemessen sein und schon gar nicht Gerlinde gerecht werden. Wir freuen uns, dass wir Ger-linde Pecksteiner ins Noviziat aufnehmen dürfen. Sie ist ein Geschenk Gottes für unsere Gemeinschaft und die ganze Kirche. Wenn wir den Blick auf konkrete Gesichter richten, dann fressen uns die Löcher des Mangels nicht auf, dann müssen wir auch nicht von der Angst vor der Zukunft besetzt oder besessen sein.“ Soweit Bischof Dr. Scheuer.

Gerlinde hat vor einem Jahr ihre erste Ikone gemalt. Sie sehen sie auf dem Altar und auf dem Feiertext.
Ikonen malen heißt eigentlich: sein inneres Christusbild suchen und zur Welt kommen lassen.
Wenn Sie diese Ikone anschauen, denken Sie vielleicht: ein herbes Gesicht. Schauen Sie länger hin, ja lassen Sie sich anschauen. Spüren sie die Güte im Blick Jesu? Es ist ein Blick, der mich meint! Fühlen Sie sich liebend angeblickt? Strahlt nicht eine geistliche Schönheit aus dem Gesicht? Je mehr ich in dieses Gesicht, in diese Augen schaue, umso mehr erfasst und fasziniert mich etwas, was mich nicht mehr loslässt: es sind Augen, in die Gott tief hineingeschaut hat und aus denen mich Gott suchend und liebend anschaut.
Das ist ein tiefes Geheimnis jeder Berufung.

Edith Stein, Sr. Teresia Benedicta betet:
„Du senkst voll Liebe deinen Blick in meinen …
und füllst mit Frieden tief das Herz. …
Ich bin nicht mehr, was einst ich war“.
Hier haben wir das Geheimnis der Augen. In ihnen begeg-nen sich Gott und die betende Seele. Diese Begegnung schenkt tiefen Frieden.
„Was Gott von Dir will, das musst Du schon Auge in Auge mit IHM zu erfahren suchen.“ sagt Sr. Teresia Benedicta.
Um dieses Aug in Aug mit IHM zu vertiefen braucht es Zeiten, die frei sind von allzu vielen äußeren Ablenkungen. Das Noviziat ist so eine Zeit. Weg vom Trubel der Welt! Ja, es verlangt geradezu eine gewisse Zurückgezogenheit.
Im Buch Hosea lesen wir, dass Gott zu seinem geliebten Volk spricht: „Darum will ich sie selbst verlocken. Ich will sie in die Wüste hinausführen und sie umwerben.“ Gott führt auch uns in die Wüste, damit wir lernen IHN klarer zu sehen und offen und leer werden für IHN.

Ikonen sind Fenster zur Ewigkeit. In Ihnen dürfen wir das Göttliche ertasten und erahnen. „Ikonen sind gemalt, um uns in den inneren Raum des Gebets zu leiten und uns ganz nahe zum Herzen Gottes zu bringen. Sie versuchen uns einen Schimmer vom Himmel zu geben“, so sagt Henry Nouwen“

In unseren Konstitutionen heißt es vom Ziel des Noviziates: „In der Novizin muss vor allem die innere Erkenntnis der Per-son Jesu Christi, der die Mitte unseres Lebens ist, vertieft werden.“
Jesus kennen und lieben lernen, IHN anschauen und sich anschauen lassen. Das Noviziat ist eine Intensivzeit, aber wir dürfen dazu ein Leben lang brauchen. Ein ganzes Leben lang sind wir Lernende und dürfen reifen.

Liebe Gerlinde! Der Herr hat dich liebend angeblickt. Er hat dich gerufen und du bist bereit, zu folgen. Die Zeit des Novi-ziates ist eine Zeit, in der du unsere karmelitanische Spiritua-lität intensiver kennen lernen wirst. Die Regel wird dir helfen, unsere Spiritualität im Alltag zu leben, im Alltag Kontemplati-on und Aktion zu einer fruchtbaren Einheit zu verbinden.
Letzte Norm jeder Regel einer Gemeinschaft ist das Evangelium. Das Evangelium ist der leuchtende Goldgrund jeder Ordensregel. Dieser Satz hat mich persönlich in meinen ersten Ordensjahren tief bewegt und begeistert. Im Evangelium ist uns das Leben Jesu vor Augen gestellt, es führt uns ein in die Nachfolge Jesu. Die Kirche hat uns dazu die drei evangelischen Räte, wie sie im Evangelium grundgelegt sind, als Hilfen gegeben, die Nachfolge Jesu radikaler leben zu können. Dazu wollen uns die Ordensregeln Hilfe, ein Stück Geländer sein, das Halt gibt.

Da Ordensleben sich wesentlich in Gemeinschaft vollzieht, ist die Gemeinschaft auch das Lernfeld, das zu dieser Rei-fung hilft. Wir dürfen erfahren, dass uns die Gemeinschaft trägt, zugleich aber auch eine große Herausforderung an die Einzelne sein kann.
Das Noviziat, der eigentliche Beginn des Ordenslebens, ist eine Zeit des tieferen Hineinwachsens in diese Gemeinschaft.
So stehst auch du, liebe Gerlinde, vor einem Neubeginn. Voll Vertrauen darfst du alles: Vergangenes, Gegenwärtiges und Kommendes in Gottes Hand legen, aus seiner Hand anneh-men und dich ganz seiner Führung anvertrauen. ER ruft dir zu: „Fürchte dich nicht, ich bin ja bei dir.“
Dadurch, dass Gott nicht nur ein Gott-für-uns und ein Gott-mit-uns, sondern und vor allem ein Gott-in-uns wurde und ist, können wir selbst zu einer Ikone Gottes werden, zu einem Fenster, durch das die Menschen Gott erahnen können sollen. „Seien Sie einfach ein Fenster, durch das ein Größerer hindurchschimmert – unser Herr.“
Von dieser Realität dürfen wir auch ein wenig erspüren und erahnen, wenn wir heute in die Gesichter unserer Jubilarinnen schauen.

Liebe Gerlinde, ich wünsche dir von Herzen, dass du wie Therese vom Kinde Jesu einmal sagen kannst. „Ich habe es nie bereut, mich der ewigen Liebe hingegeben zu haben.“
Es ist trotz manch leidvoller Erfahrungen schön und beglückend sich Jesus hinzugeben.


Bild links: Sr. M. Beata hHeitzinger aus Steyregg blickt auf 70 Professjahre zurück.
Tel.: +43 / 732 / 775654
E-Mail: mutterhaus@marienschwestern.at
Web: http://www.marienschwestern.at
Marienschwestern vom Karmel
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Katholische Kirche in Oberösterreich